Was nehme ich mir vor?

Das neue Jahr steht uns be­vor!
Von al­ten Las­ten soll man sich be­freien,
nur so kann das Neue gut ge­dei­hen.
Die­ses Ab­sur­dum hängt von ei­nem star­ken Wil­len ab
und nicht nur vom gro­ßen Pap­per­la­pap!

Das Jahr soll frisch und freu­dig be­gin­nen,
ganz egal ob draus­sen oder drin­nen.
Vom Her­zen wün­sche ich uns al­len,
Ge­sund­heit, viel Freude und Son­nen­strah­len.
Das Tanz­bein soll noch mehr Schwung be­kom­men
und je­der, der mit­macht, ist herz­lich will­kom­men!

Das Le­ben wol­len wir in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen,
un­be­kannte Küs­ten mit dem Boot er­schlie­ßen.
Und wenn du weißt was diese Zei­len be­deu­ten,
dann sag es all dei­nen lie­ben Leu­ten.
Dann nimm den Glücks­stein in die Hand,
wir se­hen uns 2015 am Ost­see­strand!

Mein ganz persönlicher Zaubertrank

Vor ei­ni­ger Zeit ent­flo­hen aus un­se­rer Kü­che süße Dämpfe und ver­teil­ten sich im gan­zen Haus. Es war Ern­te­zeit und darum wurde auch bei uns ein­ge­kocht, ent­saf­tet und halt­bar ge­macht. Auf dem Kü­chen­tisch la­gen To­ma­ten, Zuc­chi­nis, Gur­ken, Äp­fel, Bir­nen, Pflau­men, Him­bee­ren, viele Kräu­ter, Pilze und Nüsse. Leere Glä­ser und Fla­schen füll­ten sich mit Vor­rä­ten für den Win­ter. Vol­ler Un­ge­duld war­tete ich je­doch auf eine ganz be­son­dere Ernte und über­prüfte des­halb bei­nahe täg­lich, ob die Ho­lun­der­bee­ren schon reif zum Pfü­cken wa­ren. Ich freute mich ganz be­son­ders auf diese Zeit, denn das Ge­heim­nis des Ho­lun­der­bee­ren­saf­tes habe ich schon vor ei­nem Jahr für mich ent­deckt. Ne­ben sei­nes be­son­de­ren Ge­schmacks gibt er mir viel Kraft und zau­bert je­des Un­wohl­sein weg. Ich trinke ein­fach eine Tasse hei­ßen Saft vor dem Schla­fen und am nächs­ten Mor­gen geht es mir wie­der gut. Es ist mein ganz per­sön­li­cher Zau­ber­trank.

Und end­lich war es so­weit, ich machte mich ge­mein­sam mit Teddy und mei­nem Körb­chen auf den Weg zu un­se­ren ge­hei­men Ho­lun­der­stel­len. Die pral­len Bee­ren glänz­ten in der Sonne und lach­ten mich an. Wäh­rend ich die Bee­ren pflückte, suchte sich Teddy ein schat­ti­ges Plätz­chen un­ter den Ho­lun­der­bäu­men und be­gut­ach­tete meine Ar­beit.

Das Sam­meln und Aus­le­sen der Bee­ren brauchte seine Zeit, aber nach ei­ner Weile füllte sich mein Korb und wir mach­ten uns auf den Heim­weg. Oben am Him­mel kreis­ten wie­der die zwei gro­ßen Ad­ler, die mir fast täg­lich be­geg­ne­ten. Wo könnte nur ihr Horst sein? Zu­hause an­ge­kom­men, machte ich mich di­rekt an die Ar­beit: Ich wusch die Bee­ren kurz ab, füllte sie in ei­nen gro­ßen Topf und goss so viel Was­ser dar­über, dass sie ge­rade be­deckt wa­ren. Das Ganze brachte ich für ca. 20 Mi­nu­ten zum Ko­chen. Ich ließ den Saft 24 Stun­den ste­hen, da­mit die Bee­ren ihr gan­zes Aroma ab­ge­ben konn­ten. Um rei­nen Saft zu er­hal­ten, muss­ten wir am nächs­ten Tag die Bee­ren ab­sei­hen und ihn für den gu­ten Ge­schmack und die Halt­bar­keit noch ein­mal mit et­was Zi­trone und Zu­cker auf­ko­chen. Da­nach füll­ten wir den noch hei­ßen Ho­lun­der­saft in ab­ge­kochte, ste­rile und be­schrif­tete Fla­schen. Un­ser köst­li­cher Zau­ber­trank wird uns si­cher über den Win­ter brin­gen!

Doch schon am nächs­ten Tag be­ka­men wir ganz un­er­war­tet eine ganze Schüs­sel vol­ler ro­ter Wein­trau­ben ge­schenkt. Zu­erst über­leg­ten wir, was wir dar­aus ma­chen könn­ten, be­vor uns die Idee kam, auch dar­aus Saft zu ko­chen. Im­mer­hin wa­ren wir ja nun schon et­was in Übung. Im Prin­zip ha­ben wir das glei­che wie mit den Ho­lun­der­bee­ren ge­macht. Der ein­zige Un­ter­schied war, dass wir die Trau­ben or­dent­lich aus­press­ten. Das hat mir ganz be­son­de­ren Spaß ge­macht, weil ich da­bei an die Frauen den­ken musste, die mit ih­ren nack­ten Fü­ßen in gro­ßen Holz­bot­ti­chen die Trau­ben zu Saft zer­drück­ten.

Bei die­ser gan­zen Ent­saf­te­rei kam uns die Idee, auch aus Äp­feln Saft zu ma­chen, denn auf un­se­ren Land­we­gen ste­hen über­all Ap­fel­bäume, de­ren Früchte nicht mehr ein­ge­sam­melt wer­den. Wir fin­den es sehr schade, dass da­für in­zwi­schen nie­mand Ver­wen­dung hat. In den nächs­ten Wo­chen wol­len wir diese Äp­fel pflü­cken und zur Mos­te­rei brin­gen, da­mit wir auch noch gu­ten Ap­fel­saft zu Hause ha­ben.

Kraniche in unserem Garten

Seit ei­ni­gen Ta­gen sam­meln sich die Kra­ni­che wie­der um in ihre süd­li­chen Win­ter­quar­tiere zu flie­gen. Schon seit Ta­gen hö­ren wir von über­all her ihre trom­pe­ten­ar­tige Rufe. Heute Mor­gen konn­ten wir et­was ganz Be­son­de­res er­le­ben. Di­rekt vor un­se­rem Haus sa­hen wir, wie Hun­derte von ih­nen auf den Fel­dern stan­den. Wir konn­ten aus un­se­rem Gar­ten Kra­ni­che be­ob­ach­ten. Wir wa­ren fas­zi­niert von die­sem ge­ball­ten Glück, wel­ches uns um­gab.

Plötz­lich hör­ten wir noch mehr Rufe über un­se­ren Köp­fen. Da kreis­ten noch wei­tere Kra­ni­che über uns. Wir stan­den ver­steckt un­ter den Ha­sel­nuss­bäu­men, so dass sich die Vö­gel un­be­ob­ach­tet fühl­ten und sich zu ih­ren Art­ge­nos­sen auf dem Feld ge­sell­ten.  So ka­men sie uns ganz nah und wir konn­ten sie ganz in Ruhe be­ob­ach­ten. Am Him­mel konn­ten wir noch mehr Kra­ni­che ent­de­cken und aus der Ferne hör­ten wir das Trom­pe­ten von de­nen, die sich auf den be­nach­bar­ten Fel­dern nie­der­ge­las­sen hat­ten.

Wir ver­such­ten sie zu zäh­len. Es müs­sen un­ge­fähr 1000 Vö­gel ge­we­sen sein, die die­sen Ort aus­ge­sucht hat­ten, um sich fried­lich und un­ge­stört auf ih­ren lan­gen Weg vor­zu­be­rei­ten. Das war für mich ein Zei­chen da­für, dass auch wir hier rich­tig sind.

Auf den Amazonas des Nordens

Was für ein Glück für uns, dass wir in ei­ner der schöns­ten Ecken Deutsch­lands le­ben. Hier, im Land der tau­send Seen, kann man im Som­mer ba­den, Fahr­rad fah­ren, Kra­ni­che und Ad­ler be­ob­ach­ten und die Na­tur ge­nie­ßen. Wir ha­ben hier fri­sche Luft und in die­sem Jahr hat­ten wir so­gar die meis­ten Son­nen­tage. Lei­der wird die Zeit von dem gan­zem All­tags­ge­sche­hen ganz schön auf­ge­saugt. Man dreht sich kaum um und schon ist wie­der Frei­tag. Die Tage hu­schen ein­fach so an ei­nem vor­bei. Die Zeit­diebe sind auch uns auf den Fer­sen. Doch wir mer­ken oft im rich­ti­gen Mo­ment, dass sie uns zu nahe kom­men und  dann neh­men wir uns die Zeit zum Le­ben, Ge­nie­ßen und Sein.

So war es auch vor ei­ni­gen Wo­chen, als uns der Som­mer mit schöns­tem Son­nen­schein ver­wöhnte. Wir mach­ten uns kurz­ent­schlos­sen auf den Weg zur Peene, ei­nem klei­nem Fluß, der auch Ama­zo­nas des Nor­dens ge­nannt wird, weil die Na­tur hier noch größ­ten­teils un­be­rührt ist und er sich in un­zäh­lige kleine Arme ver­zweigt. Ich habe mich schon lange auf die­ses Aben­teuer ge­freut. Für eine Ex­pe­di­tion auf dem Ama­zo­nas gibt es nichts bes­se­res als ein Kanu. Wir lie­hen uns also ei­nen Boot aus, zo­gen un­sere Schwimm­wes­ten an und gin­gen auf die große Fahrt. Der Him­mel leuch­tete in sei­nem schöns­tem Blau. Die Freude, auf dem Was­ser zu sein, er­füllte un­sere Her­zen. Nach we­ni­gen Pad­del­schlä­gen hat­ten wir den ge­mein­sa­men Rhyth­mus ge­fun­den. Die Reise konnte be­gin­nen.

Um ent­spannt pad­deln zu kön­nen, muss­ten wir zu­nächst die Stadt durch­que­ren, denn die vie­len Ra­ser auf ih­ren Mo­tor­boo­ten stör­ten mich sehr. Sie mach­ten Lärm und Ge­stank und es schien mir, als wenn sie mit der wun­der­vol­len Na­tur nichts bes­se­res an­zu­fan­gen wüss­ten. Zum Glück konn­ten wir auf der Tol­lense, ei­nem Ne­ben­arm der Peene, wei­ter­pad­deln. Dort be­geg­ne­ten wir kaum ei­nem Men­schen, nur ei­nige we­nige Ang­ler stan­den am Ufer. Wir ver­such­ten mög­lichst leise zu sein und ge­nos­sen da­bei die Um­ge­bung. Der Fluß war so klar, dass wir un­ter uns kleine Fi­sche und viele Pflan­zen se­hen konn­ten. Auf dem Was­ser dreh­ten die flin­ken Was­ser­läu­fer ihre Run­den.

Plötz­lich hör­ten wir Flü­gel­schläge. Di­rekt vor uns flog ein Seed­ler aus sei­nem Ver­steck ins Freie. Was für ein er­grei­fen­des Er­leb­nis. Wir pad­del­ten be­ein­druckt wei­ter. Vor uns über­querte eine kleine Schlange den Fluß, hier und da mach­ten ei­nige En­ten Rast am Ufer. Nach ei­ner Weile tauchte vor uns die Ruine ei­ner al­ten Ei­sen­bahn­brü­cke auf.

Wir ent­schie­den uns dort eine Pause zu ma­chen. Ich stieg ans Ufer, legte mich ins Gras und schaute in den wol­ken­lo­sen Him­mel. Ich fühlte mich frei und glück­lich, wie der Ad­ler, der ir­gendwo über uns kreiste. Ich ge­noss es, so mit der Na­tur ver­bun­den zu sein.

 

 

Mein erster Frühling auf dem Land

In den ver­gan­ge­nen we­ni­gen Ta­gen pas­sierte so viel um uns herum, dass ich es kaum in Worte fas­sen kann. Die klei­nen Wun­der der Na­tur, die ich tag­täg­lich be­ob­ach­ten darf, be­geis­tern mich sehr. Bei uns im Gar­ten und hier auf dem Land kann man das Le­ben se­hen und an­fas­sen. Die Pfan­zen ge­dei­hen un­auf­hör­lich, im­mer mehr Tiere zei­gen sich auf mei­nem Weg. Die Raps­fel­der strah­len leuch­tend­gelb. Die Luft ist er­füllt von ih­rem süß­li­chen Duft. Die Bäume ha­ben nun ihr grü­nes Kleid an­ge­nom­men, an je­der Ecke blü­hen die bun­ten Früh­lings­blu­men und die Vö­gel­chen zwit­schern. Ich staune, wie schnell al­les um mich herum wächst. So in­ten­siv und be­wusst wie in die­sem Jahr habe ich die Na­tur bis­her noch nicht er­lebt. Es ist schließ­lich mein ers­ter Früh­ling auf dem Land, fern von der Stadt. End­lich ist in mir die Ruhe ein­ge­kehrt, end­lich weiß ich, dass mich die vie­len Reize der Groß­stadt über­for­dert ha­ben. Nur da­mals wusste ich es noch nicht. Ich dachte es muss so sein. Schließ­lich war ich in mei­nem Kopf be­ein­flusst, dass nur ein Le­ben in der Stadt Er­fül­lung bringt. Et­was Land­luft schnup­perte ich nur bei Be­su­chen und Durch­fahr­ten. Ich bin in ei­ner Me­tro­pole groß und in ei­ner 3-Mil­lio­nen-Men­schen-Stadt er­wach­sen ge­wor­den. Als Vor­stadt­kind hatte ich bei­des di­rekt vor mei­nen Fü­ßen: eine ge­schichts­träch­tige, über 1000 Jahre alte Groß­stadt und die Na­tur. Denn wir leb­ten am Rand ei­nes rie­si­gen Wal­des und nur zwei Ki­lo­me­ter von der Ost­see ent­fernt. Doch dann sie­del­ten wir um, ca. 1200 km west­wärts und weit über die Mauer hin­aus. Plötz­lich hatte ich nur noch den Ge­stank ei­ner In­dus­trie­stadt in der Nase, kein Was­ser, kein Wald, keine fri­sche Luft. Nur die Sehn­sucht nach den gro­ßen Bäu­men, der Ost­see und den al­ten Stra­ßen blieb. Der Ge­danke aufs Land zu zie­hen, kam mir nie in den Sinn. Ganz im Ge­gen­teil, die Me­tro­po­len reiz­ten mich. Ich wollte was er­le­ben, meine Sehn­sucht und meine Un­ruhe stil­len. Ei­nen klei­nen Aus­gleich fand ich in ab­ge­le­ge­nen Wäld­chen oder in Parks. Aber mir fehlte trotz­dem was. Der Dschun­gel der Groß­stadt, die schein­bar un­end­li­chen Mög­lich­kei­ten und die Su­che nach Aben­teu­ern füll­ten die Leere in mir nicht aus.

Doch nun bin ich hier auf dem Land. Vol­ler Liebe und Dank­bar­keit. Fern von Krach, Ge­stank und Plas­tik. So nah an den Wäl­dern, in Stille, fast an der Ost­see, die Groß­stadt nicht weit weg. Und die Er­kennt­nis: Was braucht man mehr um glück­lich zu sein?